Heute geht es um das Thema „Geschichten“. Denn „Storytelling“ ist ein ganz großes Thema, nicht nur im Business, sondern eben auch auf der Bühne.

Im Prinzip ist es das, was ich tagtäglich mache, wenn ich mit einem meiner Bühnenprogramm auf der Bühne stehe. Und ich werde manchmal gefragt Sonja, woher kommen denn eigentlich deine Ideen? Da möchte ich dir heute einmal einen kleinen Einblick geben. Wie entsteht eigentlich so ein Bühnenstück oder auch ein Vortrag?

Ich bleibe mal bei einem meiner Bühnenstücke. Ich habe ja mittlerweile vier Soloprogramme geschrieben, wobei Markus, mein Pianist, natürlich mittlerweile absoluter Bestandteil meiner Bühnenprogramm ist. Außerdem habe ich mit der lieben Esther Jung zusammen auch schon zwei Programme geschrieben Backstage, Women on Tour und früher mal, das ist auch schon fast zehn Jahre her, ein Stück, das hieß „Und was ist mit?“

Anhand der Beispiele von „TYPisch FRAU?!“ und „Alltagswahnsinn“ möchte ich dir jetzt mal erzählen, wie ich da vorgehe. Und zwar ist es meistens so, dass tatsächlich der Titel als erstes feststeht. Natürlich gibt’s eine Idee, die schon in meinem Kopf vorhanden ist, in welche Richtung das Ganze gehen sollte. Bei „Alltagswahnsinn“ war es so, dass ich ja vorher das Stück „Plötzlich Mama“ hatte, das eigentlich nur ein bisschen um entwickeln wollte. Na ja und dann kam es anders und die Idee für ein ganz neues Stück entstand. Und dann habe ich angefangen, Geschichten zu sammeln. Aus dem Alltag. So machen das auch viele Storyteller im Business.

Das heißt, ich persönlich verwende in der Regel Geschichten, die ich erlebt habe, und das rate ich auch im Bereich Business, wenn jemand Vorträge hält oder jemand eine Präsentation halten möchte.

Beispielsweise habe ich neulich folgendes erlebt: Eine Freundin hat mir erzählt, dass sie Geburtstag hatte. Als sie gefragt wurde, wie alt sie denn geworden sei, sagte sie 29, und ihr vierjähriger Sohn sagte dann „Ja, 29, schreibt man mit einer Drei und einer Fünf“. Ich musste so lachen und hab das natürlich gleich zum Thema Kindermund tut Wahrheit kund in Alltagswahnsinn eingebaut.

Diese Art von Geschichten, erzähle ich in meinen Programmen.

Und dann gibt es natürlich die Geschichten für die Vortragsbühne oder für den Vertrieb im Bereich Business. Und da habe ich oft Klienten, die ganz viele Zahlen, Daten, Fakten zu erzählen haben und damit natürlich ehrlich gesagt niemanden hinter dem Ofen hervorlocken können. Vorträge werden dann ganz oft langweilig.

Nach drei Minuten schalten die Leute ab, bedienen sich ihres Handys oder ihres iPads oder holen sogar den Rechner raus und hören nicht mehr zu.
Deshalb nutze Geschichten. Geschichten erzeugen Emotionen, und Emotionen sind das, was bei den Leuten hängenbleibt.

Ich möchte euch mal ein Beispiel geben aus der Werbung. Die Werbung kennt das Thema Storytelling schon seit vielen Jahren. Und wenn ich in meinen Seminaren darüber erzähle, dann blende ich ganz oft einen Werbetrailer von Werthers echte oder Werthers Original heißen Sie heute ein, nämlich diesen Film mit dem Großvater.

Was bedeutet das? Das bedeutet, ich assoziiere, wenn ich ein Karamell Bonbon, was faktisch aus Sahne und Zucker besteht esse, dieses mit dem guten Gefühl der Großeltern.
Es gibt in der Werbung noch ganz, ganz viele Beispiele. Vielleicht erinnerst du dich an den Werbespot mit Manuel Neuer, bei welchem er Werbung für Coke Zero macht und statt mit seiner Freundin einen Ausflug ins Fußballstadion und in die Spielerkabine macht. Dieses Gefühl entsteht für den Mann, nur, wenn er Coke Zero trinkt…

Warum erzähle ich das? Weil ich der Meinung bin, Geschichten erzeugen Emotionen und an Emotionen, kann man sich erinnern. Ich persönlich arbeite dann gerne, zum Beispiel in Vorträgen, auch noch mit etwas Haptischem. Beispielsweise bezeichne ich mich gern als bunten Vogel. Also habe ich bei einem Vortrag bunte Federn mitgenommen, denn ich habe das Bild beschrieben, was es denn bedeutet, ein bunter Vogel zu sein. Es bedeutet, dass ich viele bunte Federn habe und dass diese bunten Federn aber eben eins gemeinsam ausmachen, nämlich einen bunten Vogel. Und der fliegt in eine Richtung in die Richtung Bühne. Und um das zu unterstreichen, habe ich auf den Tischen bunte Federn verteilt, die sich jeder mitnehmen konnte. Und im Idealfall denkt der Zuschauer, wenn er diese bunte Feder in der Hand hat, nicht nur an meinen Vortrag, sondern auch daran, dass er oder sie sich erlauben kann, bunte Federn zu haben. Das heißt nicht, dass man einen Bauchladen eröffnet und keiner mehr weiß, welchen Strang er ziehen soll, sondern dass viele, viele Facetten eben auch gemeinsam in eine Richtung und in ein Ziel laufen dürfen und dass man sich das durchaus erlauben darf.

Der wichtigste Tipp für mich an dieser Stelle ist wie geschrieben das Sammeln der Geschichten aus dem Alltag. Hab ein Notizbuch dabei und schreibe immer etwas auf was, wenn du es siehst oder erlebst. Beobachte Menschen, wenn du irgendwo in einem Café sitzt.

Die schönsten Geschichten schreibt nämlich das Leben, notiere sie dir.