Wir brauchen mehr Interaktion um das Reden wieder zu lernen! – Podcast Folge 79

Wir brau­chen mehr Inter­ak­ti­on um das Reden wie­der zu lernen!

Mit gro­ßem Ent­set­zen habe ich letz­te Woche erfah­ren, dass die lan­ge Zeit der Online-Mee­tings nicht spur­los an den Men­schen vor­bei­ge­gan­gen ist. Sie haben sich dar­an gewöhnt, mit aus­ge­schal­te­ter Kame­ra, mehr oder weni­ger auf­merk­sam, einer rei­nen Front­be­schal­lung zuzu­hö­ren und nicht am Gesche­hen teil­zu­neh­men. Mit die­sen Erfah­run­gen im Gepäck kom­men sie nun zurück in die Prä­senz­ver­an­stal­tun­gen. Ich gebe Dir Tipps für mehr Inter­ak­ti­on in Online- und Offline-Meetings!

War­um die Inter­ak­ti­on ver­lo­ren ging

Wäh­rend eines Mee­tings, wel­ches ich mode­rier­te, teil­te eine Hoch­schul­do­zen­tin ihre Beob­ach­tung aus der Uni: Ihre Stu­den­ten reden in den Prä­senz­ver­an­stal­tun­gen nicht mehr mit­ein­an­der. Sie tre­ten nicht in den Aus­tausch. Die­se Beob­ach­tung scho­ckier­te mich sehr.

Haben die Men­schen ver­lernt zu reden? Ich befürch­te, es könn­te nicht nur bei Stu­den­tin­nen und Stu­den­ten so sein. Die “Front­be­schal­lung” hat ins­be­son­de­re online so sehr zuge­nom­men, dass wir kaum mehr im Aus­tausch sind. Vie­le Men­schen sind in Online-Mee­tings nicht zu Wort gekom­men oder wur­den nicht mit ein­be­zo­gen. So haben sie es sich regel­recht abge­wöhnt zu reden.

Wie kön­nen wir nun gut von online wie­der zu off­line kom­men? Wie kön­nen wir mehr Inter­ak­ti­vi­tät in Online-For­ma­te bringen?

Mei­ne Tipps für mehr Inter­ak­ti­on in Online-Meetings

Falls Du selbst online Ver­an­stal­tun­gen machst, sor­ge bit­te für genü­gend Aus­tausch unter den Teil­neh­men­den! Ich gebe Dir hier Tipps, wie das gelingt:

Wenn ich Team­mee­tings lei­te, bit­te ich alle, ihren Namen zu sagen und der Grup­pe ein “Geschenk” zu machen. Zum Bei­spiel eine Emp­feh­lung für ein Restau­rant, ihr Lieb­lings-Rezept oder einen Film-/Buch­tipp. Und ich for­de­re alle dazu auf, ihre Kame­ra dabei anzu­schal­ten. Soll­te hier die Inter­net­ver­bin­dung zu schlecht sein, gibt es auch einen Trick: Alle ande­ren schal­ten in die­ser Zeit ihre Kame­ra aus. So funk­tio­niert es normalerweise.

Die­se Übung erleich­tert das Spre­chen, da nie­mand viel über sich selbst und sei­ne Leis­tun­gen erzäh­len muss. Viel­mehr kann jeder ein­zel­ne über sei­ne Lei­den­schaft spre­chen und bei­spiels­wei­se das Lieb­lings-Rezept verraten.

Die­se Vor­stel­lungs­run­de geht ganz schnell. Doch wir erfah­ren etwas über den ande­ren, was wir so ver­mut­lich noch nicht wuss­ten. Die­se Metho­de eig­net sich also auch für Run­den, die Du schon gut kennst. Beim Team­mee­ting letz­te Woche kamen dabei ganz vie­le tol­le Buch­emp­feh­lun­gen zusam­men. So bekommst Du die Men­schen wie­der zum Reden!

Sicher kennst Du das von Vor­trä­gen oder Semi­na­ren: Du stellst eine Fra­ge und kei­ner mel­det sich. Das ist nun sicher nicht ein­fa­cher gewor­den. Lass die Leu­te ihren Namen in den Chat schrei­ben und gleich­zei­tig abschi­cken. Was pas­siert? Die Namen erschei­nen in einer zufäl­li­gen Rei­hen­fol­ge, in wel­cher Du die Teil­neh­mer dann auf­ru­fen kannst.

Kün­di­ge am bes­ten am Anfang an, dass jeder ein­mal dran­kom­men wird und Du sie im Lau­fe des Semi­nars direkt anspre­chen wirst. Nimm Dir dafür auch unbe­dingt genü­gend Zeit. Denn es ist erwie­sen, dass Men­schen in der Inter­ak­ti­on wesent­lich auf­merk­sa­mer sind, als wenn sie nur zuhö­ren. Es nützt nichts, Dein Pro­gramm in einer gewis­sen, beschränk­ten Zeit “durch­zu­prü­geln”, da vie­les davon nicht bei den Teil­neh­mern ankom­men wird. Die­se Metho­de ist auch für Dich weni­ger anstren­gend, da Du nicht die gan­ze Zeit die akti­ve Per­son bist.

Mei­ne Tipps für mehr Inter­ak­ti­on in Offline-Meetings

Nun star­ten wir wie­der off­line. Falls Du auch vor der Situa­ti­on stehst, dass Dei­ne Teil­neh­mer nicht mehr reden, habe ich auch dafür Tipps für Dich mitgebracht:

Stel­le Fra­gen! Nimm direk­ten Blick­kon­takt auf und sprich dadurch die Men­schen an. Auch hier kannst Du vor­ab ankün­di­gen, dass jeder mal dran­kom­men wird. Für die Warm-up Rei­hen­fol­ge kannst Du Zet­tel mit Num­mern zie­hen las­sen. Auch dabei eig­net sich die Vor­stel­lungs­run­de mit Namen + “Geschenk” wie oben erklärt. Die­se Metho­de funk­tio­niert auch off­line super!

Du kannst durch­aus auch klas­sisch mit der Erwar­tungs­ab­fra­ge anfan­gen. Jeder darf sich also etwas für die kom­men­de Stun­de wün­schen. Dies ist jedoch etwas höher­schwel­lig als die ers­te Übung. Der gro­ße Vor­teil der “Geschenk”-Übung ist es, dass es um die Lei­den­schaf­ten der Men­schen geht. Dar­über spre­chen alle ger­ne und hin­ter­her herrscht eine sehr posi­ti­ve Stimmung.

Für die wei­te­re Inter­ak­ti­on kannst Du klei­ne Grup­pen aus­lo­sen, in wel­chen sich die Teil­neh­mer zunächst aus­tau­schen kön­nen. Fang hier mit Zwei­er- oder Drei­er­grup­pen an. Denn schon vor Coro­na hat­ten vie­le Men­schen damit Pro­ble­me, vor gro­ßen Grup­pen zu spre­chen. Dies kön­nen wir dadurch auflockern.

For­me nach die­sem Aus­tausch aus den Kleinst­grup­pen grö­ße­re Teams, die sich dann gemein­sam eine krea­ti­ve Prä­sen­ta­ti­on des Erar­bei­te­ten über­le­gen. Eine tol­le Übung hier­für: Lass die Teams eine Über­schrift für ihre Prä­sen­ta­ti­on über­le­gen, oder eine Ankün­di­gung wie eine Radio­sen­dung oder ein Thea­ter­stück aus­ar­bei­ten. So bringst Du auch etwas Span­nung in die Prä­sen­ta­ti­on, die erfah­rungs­ge­mäß eben­falls eine Hür­de für Men­schen darstellt.

Ver­su­che die Men­schen wie­der in den Dia­log zu brin­gen. Nut­ze hier­für online sowie off­line krea­ti­ve Metho­den. Moti­vie­re die Teil­neh­mer dazu, etwas von sich zu erzäh­len was außer­halb des Fach­li­chen liegt. Brin­ge sie zum Reden, zunächst in klei­ne­ren Grup­pen, dann in grö­ße­ren und schließ­lich vor der gan­zen Grup­pe. Hier bist Du gefragt! Begeis­te­re Dich selbst vom The­ma und gehe in die Inter­ak­ti­on. Geh dabei ger­ne von Dir selbst aus, wie es Dir geht, wenn Du bei Work­shops nur von Vor­ne beschallt wirst… Da grei­fe auch ich durch­aus mal zum Han­dy und bin nicht auf­merk­sam. Das muss nicht sein. Ich hof­fe, mei­ne Tipps hel­fen Dir bei der Umsetzung!

Wenn Dich das wei­ter inter­es­siert, schrei­be mir ger­ne eine E‑Mail an office@sonja-gruendemann.de! Trag Dich auch ger­ne jetzt schon auf die Sto­ry­tel­ling-War­te­lis­te ein, denn mein nächs­ter Kurs ist schon in Pla­nung. So ver­passt Du nicht, wenn es wie­der losgeht.

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