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“Richtig-machen ist nie interessant” – Interview über Wirkung, Körpersprache und Business-Bühne mit Martin Schwanda

Kürzlich war ich auf einer Fortbildung in Wien und lernte dort Martin Schwanda kennen. Er ist Schauspieler, studierte am renommierten Max Reinhardt Seminar und ist ein bekannter Auftritts- und Präsentationscoach. Sein Spezialgebiet ist die Wirkung, auch eins meiner Lieblingsthemen! Martin lernte bei Samy Molcho – einer der absoluten Körperspracheexperten. 

Martin stellt sich bei seiner Arbeit die Fragen, wie die eigene Bühne gefüllt wird, wie ein guter Kontakt zum Publikum hergestellt werden kann und wie es funktioniert, dass die Kernbotschaft beim Publikum hängen bleibt. 

Das ganze Interview kannst Du direkt hier anhören.

 

Wie kam Martin vom Schauspiel zum Business?

Wir haben eine Gemeinsamkeit: Martin und ich kommen beide von der Schauspielbühne und haben mittlerweile mehr ins Business gewechselt. Martin sagt, dass er heute noch mehr oder weniger das Gleiche macht wie früher, nur mit einer anderen Zielgruppe und Ausrichtung. Die wirtschaftlichen Interessen stehen nun mehr im Vordergrund als es im künstlerischen Bereich der Fall war. 

Seit Martin am Max Reinhardt Seminar studierte faszinierte ihn der Gedanke, was der Kern des Theaters ist, abseits des Eintauchens in eine komplett andere Welt. Er konnte sich schon damals in viele verschiedene Systeme eindenken, fragte sich aber auch nach der Relevanz seines Tuns. 

Als festangestellter Schauspieler hatte Martin keine Entscheidungsgewalt über seine Rollen, Stücke oder die Zusammenarbeit mit den Regisseuren. Er verstand damals nicht jede Entscheidung, doch es war ihm trotzdem immer sehr wichtig, die Rolle wirklich für sich zu finden. Wie ich liebt er es, Geschichten zu erzählen! 

Martin langweilt sich, wenn eine Person auf der Bühne ausschließlich sich selbst darstellt. Er liebt es, wenn eine Rolle und eine Geschichte so präsent sind, dass er den Schauspieler dabei fast vergisst. Laut Martin wird dies jedoch immer seltener, da die Menschen als Privatperson sichtbar sein wollen. 

Als Student wurde Martin von Lehrern angesprochen, welche von ihm Tipps haben wollten, wie sie ihre Klasse zum Zuhören motivieren könnten. Martin hatte zwar keine Ahnung, aber einige Ideen, welche sie dann zusammen ausprobierten. Mit der Zeit bekam er immer mehr Anfragen in diese Richtung. Beispielsweise auch ganz überraschend von Unternehmen oder Politikern.

Martin fand es immer spannend herauszufinden, wie eine Botschaft auch wirklich direkt und von Anfang an bei den Zuhörern ankommt, egal in welchem Kontext. Was soll transportiert werden, was ist das beste Vehikel dafür und wer ist die Zielgruppe? Wie etwas gestaltet sein muss, damit die Kernbotschaft auch dort ankommt, wo sie hin soll. 

 

Sollte ein Business-Auftritt auch eine Inszenierung sein?

“Ein Auftritt ist immer eine Inszenierung”, sagt Martin im Interview. Doch oft sei diese Inszenierung unbewusst. Besser wäre es, diese Auftritte bewusst zu inszenieren. Was nicht heißt, dass etwas künstlich oder nicht authentisch dargestellt wird. “Inszenierung” bedeutet einfach nur, die optimale Form für die eigene Botschaft zu finden und sich für diese zu entscheiden. 

Martin vergleicht einen Auftritt ohne bewusste Inszenierung mit einem tollen Essen, welches Du stundenlang in der Küche gekocht hast und dann einfach nur auf einen Plastikteller klatschst. Das Drumherum gehört dazu und setzt Deine Inhalte in eine passende Form. 

Ein toller Vergleich ist auch dieser: Wenn Du in ein Restaurant essen gehst, geht es nie nur um die Speisen. Die Inszenierung fängt schon draußen vor dem Restaurant an und erstreckt sich über die Einrichtung bis hin zu den Kellnern. Da bist Du schon mittendrin im Erlebnis, obwohl Du noch nicht einen Bissen gegessen hast. 

Martin arbeitet gerne mit Metaphern und nutzt den Essens-Vergleich gern. Denn so verstehen die Menschen gut, warum auch ein Business-Auftritt eine Inszenierung sein sollte. Es ist wichtig zu überlegen, welche Atmosphäre geschaffen werden soll. Am Theater ist das die absolute Grundlage, im Coaching erklärt Martin dies bei jedem Kunden neu. 

 

Martins Meinung über Körpersprachecoaching

“Wenn Du nichts zu sagen hast, halte wenigstens die Hände richtig” ist ein Spruch, den Martin über Körpersprachecoaching sagt. Er findet, dass es hier oft übertrieben wird. Die Menschen gehen auf die Bühne und nehmen eine vorab geübte Position ein, die aber überhaupt nicht zu ihnen passt. Martin ist der Meinung, dass der Fokus auf die Körpersprache nebensächlich ist, wenn Du wirklich etwas zu sagen hast und Deine Botschaft mit Nachdruck rüberbringst. 

Martin lehrt auch einen Auftrittskurs an einer Fachhochschule in Wien für die Marketing-Studenten. Er ist immer wieder schockiert, wie dort Vorträge gehalten werden, weil es “schon immer so gemacht” wird. Durch seine Methoden versucht er die jungen Menschen dazu zu bringen, ihre Botschaft auf spannende Art und Weise zu vermitteln und nicht in den üblichen – langweiligen – Formaten zu verharren. Sein Tipp: Die ein oder andere Folie weglassen oder mal ganz ohne Folien präsentieren schadet nicht!

 

“Ich wirke also bin ich”

So heißt Martins Podcast, in welchem er Menschen zum Thema Wirkung interviewt. Wirkung wird in Martins Augen jedoch oft missverstanden. Viele denken, dahinter verberge sich die Idee, die Oberfläche etwas aufzupolieren. Doch Wirkung bedeutet, dass sich das, was vermittelt wird, entfaltet. Eine Impfung oder ein Schlag eines Boxers soll wirken und genau so soll auch Deine Kernbotschaft wirken. 

Damit Du die beabsichtigte Wirkung auch erzielst, reicht es nicht aus, nur etwas von außen zu korrigieren und vielleicht Deine Haltung oder Deine Stimme zu verändern. Die Arbeit an der eigenen Wirkung setzt in Deinem Inneren an. Was willst Du transportieren? Wie willst Du oder musst Du in einer bestimmten Rolle wirken? 

 

Martins spezielle Masken-Übung

Auf der Fortbildung in Wien, bei welcher ich Martin kennenlernte, führte er mit uns eine sehr interessante Übung mit speziellen Masken durch. Wir zogen diese Masken an und hatten dann in dieser Rolle einen Auftritt. Mir ist diese Übung sehr im Gedächtnis geblieben!

Martin erzählt, dass er schon immer gerne mit solchen Masken gearbeitet hat. Er lernte diese Methode bei Samy Molcho kennen und findet sie auch für die berufliche Rollenfindung sehr gut geeignet. Denn eine gute Rolle wird nicht gespielt, sondern gelebt. Sie kommt aus dem Inneren. 

Und so ist es auch im Business! Du hast eine Rolle, welche Du nicht vor Dir hertragen, sondern ausfüllen solltest. Gleichzeitig ist es wichtig, Dir über Deine Wirkung bewusst zu sein. Und auch darüber, welche Wirkung von Dir in dieser Rolle erwartet wird.   

Für die Masken-Übung verwendet Martin spezielle, sehr neutrale Masken. Die Idee dahinter ist, dass wir die Wirkung eines Menschen sehr viel stärker wahrnehmen, wenn wir ihm nicht mehr direkt ins Gesicht schauen können. Wenn wir eine Person beobachten, welche mit einer solchen Maske einen Auftritt hat, sehen wir genau, welchen Fokus sie setzt. Nimmt sie sich Raum, weicht sie aus, verwässert sie ihren Auftritt? 

Der zweite Vorteil ist, dass die auftretende Person sich durch die Maske geschützt fühlt. Doch in Wahrheit verhüllt die Maske nicht, sondern enthüllt das Wesentliche auf der Bühne. Das Feedback der Gruppe ist dann sehr viel aussagekräftiger. 

Außerdem zeigt die Übung auch, dass Du auf der Bühne nichts ohne Bedeutung machen kannst. Martin lässt die Teilnehmer dann beispielsweise den Beamer für die Präsentation einrichten. Während der Masken-Übung ist dann gut zu sehen, dass es eine bestimmte Wirkung hat, wie die Person das tut. 

 

Was ist Martins größte Herausforderung auf der Bühne? 

Martin ist nicht nur Coach, sondern steht auch selbst als Speaker auf der Bühne. Lampenfieber hat er nach wie vor! Doch er genießt dies und freut sich über die Energie, welche er dadurch erhält.  

Seine größte Herausforderung ist es, als Privatperson Martin Schwanda auf die Bühne zu gehen und sich und seine persönliche Meinung zu zeigen. Er wägt sehr genau ab, was von ihm bei einer Keynote erwartet wird, in welchem Rahmen er dieser Erwartung dann entspricht und in welchen Punkten vielleicht auch nicht. 

Und sein eigener Perfektionismus fordert ihn auch immer wieder heraus. Deshalb mag er meinen Slogan “Perfekt muss nicht sein, echt ist viel schöner!” so gerne. Martin findet, dass Hingabe und Präsenz auf der Bühne immer interessanter sind als Perfektion. Das vermittelt er auch in seinen Coachings. 

Natürlich ist es gut, es richtig zu machen, doch Martin sagt: “Richtig-machen ist nie interessant”! 

 

Hör Dir das Interview mit Martin direkt hier an. Viel Spaß![/vc_column_text][/vc_column][/vc_row]