“Richtig-machen ist nie interessant” – Interview über Wirkung, Körpersprache und Business-Bühne mit Martin Schwanda (Podcastfolge 118)

“Richtig-machen ist nie interessant” – Interview über Wirkung, Körpersprache und Business-Bühne mit Martin Schwanda

Kürz­lich war ich auf einer Fort­bil­dung in Wien und lern­te dort Mar­tin Schwan­da ken­nen. Er ist Schau­spie­ler, stu­dier­te am renom­mier­ten Max Rein­hardt Semi­nar und ist ein bekann­ter Auf­tritts- und Prä­sen­ta­ti­ons­coach. Sein Spe­zi­al­ge­biet ist die Wir­kung, auch eins mei­ner Lieb­lings­the­men! Mar­tin lern­te bei Samy Mol­cho – einer der abso­lu­ten Körperspracheexperten. 

Mar­tin stellt sich bei sei­ner Arbeit die Fra­gen, wie die eige­ne Büh­ne gefüllt wird, wie ein guter Kon­takt zum Publi­kum her­ge­stellt wer­den kann und wie es funk­tio­niert, dass die Kern­bot­schaft beim Publi­kum hän­gen bleibt. 

 

Wie kam Martin vom Schauspiel zum Business?

Wir haben eine Gemein­sam­keit: Mar­tin und ich kom­men bei­de von der Schau­spiel­büh­ne und haben mitt­ler­wei­le mehr ins Busi­ness gewech­selt. Mar­tin sagt, dass er heu­te noch mehr oder weni­ger das Glei­che macht wie frü­her, nur mit einer ande­ren Ziel­grup­pe und Aus­rich­tung. Die wirt­schaft­li­chen Inter­es­sen ste­hen nun mehr im Vor­der­grund als es im künst­le­ri­schen Bereich der Fall war. 

Seit Mar­tin am Max Rein­hardt Semi­nar stu­dier­te fas­zi­nier­te ihn der Gedan­ke, was der Kern des Thea­ters ist, abseits des Ein­tau­chens in eine kom­plett ande­re Welt. Er konn­te sich schon damals in vie­le ver­schie­de­ne Sys­te­me ein­den­ken, frag­te sich aber auch nach der Rele­vanz sei­nes Tuns. 

Als fest­an­ge­stell­ter Schau­spie­ler hat­te Mar­tin kei­ne Ent­schei­dungs­ge­walt über sei­ne Rol­len, Stü­cke oder die Zusam­men­ar­beit mit den Regis­seu­ren. Er ver­stand damals nicht jede Ent­schei­dung, doch es war ihm trotz­dem immer sehr wich­tig, die Rol­le wirk­lich für sich zu fin­den. Wie ich liebt er es, Geschich­ten zu erzählen! 

Mar­tin lang­weilt sich, wenn eine Per­son auf der Büh­ne aus­schließ­lich sich selbst dar­stellt. Er liebt es, wenn eine Rol­le und eine Geschich­te so prä­sent sind, dass er den Schau­spie­ler dabei fast ver­gisst. Laut Mar­tin wird dies jedoch immer sel­te­ner, da die Men­schen als Pri­vat­per­son sicht­bar sein wollen. 

Als Stu­dent wur­de Mar­tin von Leh­rern ange­spro­chen, wel­che von ihm Tipps haben woll­ten, wie sie ihre Klas­se zum Zuhö­ren moti­vie­ren könn­ten. Mar­tin hat­te zwar kei­ne Ahnung, aber eini­ge Ideen, wel­che sie dann zusam­men aus­pro­bier­ten. Mit der Zeit bekam er immer mehr Anfra­gen in die­se Rich­tung. Bei­spiels­wei­se auch ganz über­ra­schend von Unter­neh­men oder Politikern.

Mar­tin fand es immer span­nend her­aus­zu­fin­den, wie eine Bot­schaft auch wirk­lich direkt und von Anfang an bei den Zuhö­rern ankommt, egal in wel­chem Kon­text. Was soll trans­por­tiert wer­den, was ist das bes­te Vehi­kel dafür und wer ist die Ziel­grup­pe? Wie etwas gestal­tet sein muss, damit die Kern­bot­schaft auch dort ankommt, wo sie hin soll. 

 

Sollte ein Business-Auftritt auch eine Inszenierung sein?

“Ein Auf­tritt ist immer eine Insze­nie­rung”, sagt Mar­tin im Inter­view. Doch oft sei die­se Insze­nie­rung unbe­wusst. Bes­ser wäre es, die­se Auf­trit­te bewusst zu insze­nie­ren. Was nicht heißt, dass etwas künst­lich oder nicht authen­tisch dar­ge­stellt wird. “Insze­nie­rung” bedeu­tet ein­fach nur, die opti­ma­le Form für die eige­ne Bot­schaft zu fin­den und sich für die­se zu entscheiden. 

Mar­tin ver­gleicht einen Auf­tritt ohne bewuss­te Insze­nie­rung mit einem tol­len Essen, wel­ches Du stun­den­lang in der Küche gekocht hast und dann ein­fach nur auf einen Plas­tik­tel­ler klatschst. Das Drum­her­um gehört dazu und setzt Dei­ne Inhal­te in eine pas­sen­de Form. 

Ein tol­ler Ver­gleich ist auch die­ser: Wenn Du in ein Restau­rant essen gehst, geht es nie nur um die Spei­sen. Die Insze­nie­rung fängt schon drau­ßen vor dem Restau­rant an und erstreckt sich über die Ein­rich­tung bis hin zu den Kell­nern. Da bist Du schon mit­ten­drin im Erleb­nis, obwohl Du noch nicht einen Bis­sen geges­sen hast. 

Mar­tin arbei­tet ger­ne mit Meta­phern und nutzt den Essens-Ver­gleich gern. Denn so ver­ste­hen die Men­schen gut, war­um auch ein Busi­ness-Auf­tritt eine Insze­nie­rung sein soll­te. Es ist wich­tig zu über­le­gen, wel­che Atmo­sphä­re geschaf­fen wer­den soll. Am Thea­ter ist das die abso­lu­te Grund­la­ge, im Coa­ching erklärt Mar­tin dies bei jedem Kun­den neu. 

 

Martins Meinung über Körpersprachecoaching

“Wenn Du nichts zu sagen hast, hal­te wenigs­tens die Hän­de rich­tig” ist ein Spruch, den Mar­tin über Kör­per­sprachecoa­ching sagt. Er fin­det, dass es hier oft über­trie­ben wird. Die Men­schen gehen auf die Büh­ne und neh­men eine vor­ab geüb­te Posi­ti­on ein, die aber über­haupt nicht zu ihnen passt. Mar­tin ist der Mei­nung, dass der Fokus auf die Kör­per­spra­che neben­säch­lich ist, wenn Du wirk­lich etwas zu sagen hast und Dei­ne Bot­schaft mit Nach­druck rüberbringst. 

Mar­tin lehrt auch einen Auf­tritts­kurs an einer Fach­hoch­schu­le in Wien für die Mar­ke­ting-Stu­den­ten. Er ist immer wie­der scho­ckiert, wie dort Vor­trä­ge gehal­ten wer­den, weil es “schon immer so gemacht” wird. Durch sei­ne Metho­den ver­sucht er die jun­gen Men­schen dazu zu brin­gen, ihre Bot­schaft auf span­nen­de Art und Wei­se zu ver­mit­teln und nicht in den übli­chen – lang­wei­li­gen – For­ma­ten zu ver­har­ren. Sein Tipp: Die ein oder ande­re Folie weg­las­sen oder mal ganz ohne Foli­en prä­sen­tie­ren scha­det nicht!

 

“Ich wirke also bin ich”

So heißt Mar­tins Pod­cast, in wel­chem er Men­schen zum The­ma Wir­kung inter­viewt. Wir­kung wird in Mar­tins Augen jedoch oft miss­ver­stan­den. Vie­le den­ken, dahin­ter ver­ber­ge sich die Idee, die Ober­flä­che etwas auf­zu­po­lie­ren. Doch Wir­kung bedeu­tet, dass sich das, was ver­mit­telt wird, ent­fal­tet. Eine Imp­fung oder ein Schlag eines Boxers soll wir­ken und genau so soll auch Dei­ne Kern­bot­schaft wirken. 

Damit Du die beab­sich­tig­te Wir­kung auch erzielst, reicht es nicht aus, nur etwas von außen zu kor­ri­gie­ren und viel­leicht Dei­ne Hal­tung oder Dei­ne Stim­me zu ver­än­dern. Die Arbeit an der eige­nen Wir­kung setzt in Dei­nem Inne­ren an. Was willst Du trans­por­tie­ren? Wie willst Du oder musst Du in einer bestimm­ten Rol­le wirken? 

 

Martins spezielle Masken-Übung

Auf der Fort­bil­dung in Wien, bei wel­cher ich Mar­tin ken­nen­lern­te, führ­te er mit uns eine sehr inter­es­san­te Übung mit spe­zi­el­len Mas­ken durch. Wir zogen die­se Mas­ken an und hat­ten dann in die­ser Rol­le einen Auf­tritt. Mir ist die­se Übung sehr im Gedächt­nis geblieben!

Mar­tin erzählt, dass er schon immer ger­ne mit sol­chen Mas­ken gear­bei­tet hat. Er lern­te die­se Metho­de bei Samy Mol­cho ken­nen und fin­det sie auch für die beruf­li­che Rol­len­fin­dung sehr gut geeig­net. Denn eine gute Rol­le wird nicht gespielt, son­dern gelebt. Sie kommt aus dem Inneren. 

Und so ist es auch im Busi­ness! Du hast eine Rol­le, wel­che Du nicht vor Dir her­tra­gen, son­dern aus­fül­len soll­test. Gleich­zei­tig ist es wich­tig, Dir über Dei­ne Wir­kung bewusst zu sein. Und auch dar­über, wel­che Wir­kung von Dir in die­ser Rol­le erwar­tet wird. 

Für die Mas­ken-Übung ver­wen­det Mar­tin spe­zi­el­le, sehr neu­tra­le Mas­ken. Die Idee dahin­ter ist, dass wir die Wir­kung eines Men­schen sehr viel stär­ker wahr­neh­men, wenn wir ihm nicht mehr direkt ins Gesicht schau­en kön­nen. Wenn wir eine Per­son beob­ach­ten, wel­che mit einer sol­chen Mas­ke einen Auf­tritt hat, sehen wir genau, wel­chen Fokus sie setzt. Nimmt sie sich Raum, weicht sie aus, ver­wäs­sert sie ihren Auftritt? 

Der zwei­te Vor­teil ist, dass die auf­tre­ten­de Per­son sich durch die Mas­ke geschützt fühlt. Doch in Wahr­heit ver­hüllt die Mas­ke nicht, son­dern ent­hüllt das Wesent­li­che auf der Büh­ne. Das Feed­back der Grup­pe ist dann sehr viel aussagekräftiger. 

Außer­dem zeigt die Übung auch, dass Du auf der Büh­ne nichts ohne Bedeu­tung machen kannst. Mar­tin lässt die Teil­neh­mer dann bei­spiels­wei­se den Bea­mer für die Prä­sen­ta­ti­on ein­rich­ten. Wäh­rend der Mas­ken-Übung ist dann gut zu sehen, dass es eine bestimm­te Wir­kung hat, wie die Per­son das tut. 

 

Was ist Martins größte Herausforderung auf der Bühne? 

Mar­tin ist nicht nur Coach, son­dern steht auch selbst als Spea­ker auf der Büh­ne. Lam­pen­fie­ber hat er nach wie vor! Doch er genießt dies und freut sich über die Ener­gie, wel­che er dadurch erhält. 

Sei­ne größ­te Her­aus­for­de­rung ist es, als Pri­vat­per­son Mar­tin Schwan­da auf die Büh­ne zu gehen und sich und sei­ne per­sön­li­che Mei­nung zu zei­gen. Er wägt sehr genau ab, was von ihm bei einer Key­note erwar­tet wird, in wel­chem Rah­men er die­ser Erwar­tung dann ent­spricht und in wel­chen Punk­ten viel­leicht auch nicht. 

Und sein eige­ner Per­fek­tio­nis­mus for­dert ihn auch immer wie­der her­aus. Des­halb mag er mei­nen Slo­gan “Per­fekt muss nicht sein, echt ist viel schö­ner!” so ger­ne. Mar­tin fin­det, dass Hin­ga­be und Prä­senz auf der Büh­ne immer inter­es­san­ter sind als Per­fek­ti­on. Das ver­mit­telt er auch in sei­nen Coachings. 

Natür­lich ist es gut, es rich­tig zu machen, doch Mar­tin sagt: “Rich­tig-machen ist nie interessant”! 

 

Hör Dir das Inter­view mit Mar­tin direkt hier an. Viel Spaß!

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