Schließen sich Perfektion und Echtheit auf der Bühne aus? Sind wir bei Vorträgen in einer Rolle oder zeigen wir uns, wie wir wirklich sind? Darüber spreche ich in meiner Podcastfolge 134. 

Authentizität und Perfektion auf der Bühne sind Themen, die immer wieder auftauchen und uns wohl alle irgendwann einmal beschäftigen. Was ich dazu sage, verrate ich Dir hier. 

Die ganze Podcastfolge kannst Du hier anhören

 

Perfektion und Authentizität auf der Bühne - geht das?

Nach einem Auftritt mit meiner Duo-Partnerin Esther wurde ich auf meine Vortragsschmiede, für welche ich dort Visitenkarten ausgelegt hatte, angesprochen. Ich erklärte das Konzept und wurde daraufhin gefragt, ob ich denn bei der Vortragsschmiede auch so authentisch sei, wie bei unserem Bühnenstück. “Na klar!” - diese Antwort kam direkt. Denn ich bin immer ich selbst. 

Neulich auf einer Speakerveranstaltung sagte dann ein geschätzter Kollege auf der Bühne “Hör auf, Du selbst zu sein, nur dann kannst Du wachsen”. Dieser Satz hat mich zum Nachdenken gebracht. Denn ich sehe es ein wenig anders. 

Und auch über meinen Slogan “Perfekt muss nicht sein, echt ist viel schöner!” dachte ich nach. Ich fragte mich, ob sich “echt” und “perfekt” gegenseitig ausschließen. Und ich finde, das tun sie nicht! Doch manchmal ist es leichter, sich den Druck, perfekt sein zu müssen, zu nehmen. Denn dann spielen wir oft eine vermeintlich perfekte Rolle. 

Das konnte ich gut an einem anderen Speaker auf der gleichen Veranstaltung beobachten. Seine Speech war perfekt durchinszeniert. Ich bin sicher, dass jedes Wort und jede Geste einstudiert war. Der Vortrag war super - doch das Herz fehlte. 

Es ist schwierig, in eine perfekte Inszenierung Echtheit zu bringen. Denn es kann in einer solchen Inszenierung passieren, dass wir die Interaktion mit dem Publikum vergessen. Die Freiheit, auf den Moment zu reagieren, ist hier nicht gegeben. 

 

Wenn ich als Speakerin auf der Bühne stehe, möchte ich selbstverständlich einen super Vortrag abliefern. Doch ich möchte mich auch nahbar zeigen und mein Herz mit reinbringen, das ist mein Anspruch. 

 

Zurück zur Aussage meines Kollegen. Ich denke ehrlicherweise, dass viele Menschen gar nicht wissen, wer sie selbst sind und wer sie auf der Bühne sein wollen, wie sie wirken möchten und trotzdem authentisch bleiben können. 

 

Hier ist meiner Meinung nach die Rollenarbeit essenziell wichtig. Diese Methode kommt klassisch aus dem Schauspiel. Man schaut sich an, wie eine Rolle angelegt ist. Beispielsweise hat ein Tatortkommissar in jeder Folge der Serie die gleiche Aufgabe: jedes Mal einen anderen Fall lösen. Der Schauspieler erarbeitet, wie die Rolle angelegt ist, was dann in allen Folgen sichtbar wird. Ist er depressiv? Witzig? Durchgeknallt? Ruhig? Die Rolle hat Charaktereigenschaften. 

Und für Deine Rolle auf der Vortragsbühne legst Du auch an, wie sie wirken soll. Das heißt nicht, dass Du etwas erfindest, das es nicht in Dir gibt. Die Rolle ist ein Teil von Dir. Stehst Du beispielsweise als Führungskraft auf der Bühne und hast eine wichtige Ankündigung zu machen, dann bist Du in diesem Moment in der Rolle. 

Es gibt Dir Sicherheit, wenn Du weißt, dass Du auf der Bühne das von Dir zeigst, was Du zeigen möchtest. Du verstellst Dich nicht, sondern stellst etwas in den Mittelpunkt, was es schon in Dir gibt. 

 

Nina Kristin - eine authentische Rolle

Kennst Du Nina Kristin? Sie ist ein Reality-Star, Millionärstochter und wurde als “die deutsche Paris Hilton” bekannt. Nina und ich lernten uns in der Musical-Ausbildung der Stage School kennen. 

Ich mochte sie immer, auch wenn sie schon immer polarisiert hat. Nina Kristin hat mich nun gefragt, ob ich sie in ihrer Live-Streaming-Show besuche und wir gemeinsam über das Thema Kamera- und Moderations-Coaching sprechen. 

Und auch “Nina Kristin” ist eine Rolle. Perfekt durchgestylt, die deutsche Paris Hilton. Doch es ist ein Teil von ihr. Sie erzählte mir, dass sie diese Rolle liebt, doch dass es ein wahres Haifischbecken ist. Sie muss knallhart sein und sich durchsetzen. Und das ist etwas, was sie bereits in sich hat. Sie ist sie selbst. 

In der Ausbildung sagte ihr ein Lehrer, dass sie es nie schaffen werde, in der Öffentlichkeit zu stehen und talentfrei sei. In ihrer Show haben wir auch darüber gesprochen, wie sie es durch harte Disziplin geschafft hat, da zu sein, wo sie heute ist. 

Nina Kristin weiß genau, wer sie selbst ist. Und durch dieses Wissen konnte sie so wachsen. Doch der Schritt dorthin ist jahrelange, harte Arbeit!