Videos, Technik und Tanz-Reels – Interview mit Kirsten Biema (Podcastfolge 120)

Videos, Technik und Tanz-Reels – Interview mit Kirsten Biema

Ich beob­ach­te Kirs­ten schon seit Län­ge­rem über Social Media. Durch eine Tech­nik-Grup­pe wur­de ich erst­mals auf sie auf­merk­sam und spä­ter waren wir dann bei­de beim She-Pre­neu­er-Bund­le als Exper­tin­nen dabei. Kirs­tens Slo­gan ist „Ver­lie­be Dich in die Tech­nik“ – wie wun­der­bar! Vide­os und Tech­nik sind durch­aus unser Freund und unter ande­rem dar­über spre­che ich heu­te im Pod­cast-Inter­view mit Kirs­ten. 

Kirs­ten unter­stützt Men­schen dabei, Video-Con­tent zu erstel­len. Mit der lie­ben Kol­le­gin Andrea Ball­schuh bie­tet sie seit Kur­zem dazu sogar Mas­ter­clas­ses an. Ein wich­ti­ges The­ma, das heut­zu­ta­ge nicht mehr weg­zu­den­ken ist! 

  

Wie Kirsten zur Technik kam 

Als Kirs­ten 10 Jah­re alt war, bekam sie von ihrem Vater ihre ers­te Kame­ra, eine ana­lo­ge Spie­gel­re­flex­ka­me­ra. Die­se liebt Kirs­ten heu­te noch! Mit­ten in den 80er Jah­ren im Ruhr­pott und aus einer Arbei­ter­fa­mi­lie stam­mend wuss­te sie jedoch erst­mal nicht, was sie damit anfan­gen soll. Es folg­te ein Prak­ti­kum bei einem sehr schlech­ten Hoch­zeits­fo­to­gra­fen, was Kirs­ten fast von der Foto­gra­fie und der Kame­ra weg brach­te. 

Nach vie­len Umwe­gen kam Kirs­ten 2015 zum eige­nen Online-Busi­ness. Sie sah sich Näch­te lang alles auf You­Tube zu Tech­nik und Kame­ras an. Da sie die Gabe hat, kom­ple­xe The­men für ande­re Men­schen her­un­ter­zu­bre­chen und ein­fach zu erklä­ren, star­te­te sie mit ihren Tuto­ri­al-Vide­os selbst auf You­Tube. 

Es kamen anfangs nicht nur posi­ti­ve Rück­mel­dun­gen. Kirs­ten hör­te, ihre Vide­os wären zu kom­plex und unver­ständ­lich. Doch mit der Zeit wan­del­te sich die­se Mei­nung und sie wur­de häu­fig um Rat gefragt. Und heut­zu­ta­ge ist Kirs­ten so gut, dass sie von ande­ren kopiert wird… 

  

Warum sind Videos in der heutigen Zeit so wichtig? 

Kirs­ten sagt, wir Men­schen sind opti­sche Wesen. Und wenn wir etwas nicht sehen kön­nen, wol­len wir es zumin­dest hören. Es ist also nicht nur das Video wich­tig, son­dern auch der dazu pas­sen­de Ton. Es gibt vie­le Unter­su­chun­gen dazu, dass wir uns Din­ge bes­ser mer­ken kön­nen, wenn wir sie gese­hen haben, erläu­tert Kirs­ten des wei­te­ren. 

Die Ener­gie, wel­che bei einem Video über­tra­gen wird, wirkt teil­wei­se stär­ker als im direk­ten Kon­takt mit Men­schen. Laut Kirs­ten liegt dies dar­an, dass wir vor der Kame­ra absicht­lich aus­drucks­stär­ker sind und uns auf unse­re Wir­kung fokus­sie­ren. 

Wuss­test Du, dass pro Minu­te ca. 72 Stun­den Video-Mate­ri­al auf You­Tube hoch­ge­la­den wer­den? Wahn­sinn, oder?! Kirs­ten pro­gnos­ti­ziert, dass wir im deutsch­spra­chi­gen Raum gera­de erst am Anfang die­ser Ent­wick­lung sind. 

  

Und was ist mit der Video-Müdigkeit nach der Corona-Zeit? 

In vie­len Berei­chen wird von einer „Video-Müdig­keit“ der Men­schen gespro­chen. Kei­ner hat mehr Lust auf Online-Kur­se und alle wol­len wie­der Live-Work­shops. Stimmt das denn über­haupt, oder ist das nur ein Gerücht? 

Kirs­ten sagt dazu, dass der­zeit ins­be­son­de­re die Qua­li­tät der Vide­os bemän­gelt wird. Die Men­schen haben nach zwei Jah­ren Pan­de­mie kei­ne Lust mehr, lang­wei­li­ge Vide­os mit „betreu­tem Vor­le­sen“ zu sehen, bei wel­chem nichts pas­siert und der Spre­cher nicht in die Kame­ra schaut. Oder Online-Kur­se anzu­schau­en, bei wel­chem sich kei­ne Mühe gemacht wur­de. 

Doch der Boos­ter, wel­cher mit Vide­os erzielt wer­den kann, sei vie­len noch nicht bewusst, so Kirs­ten. Sie gibt aus ihrer HR-Zeit fol­gen­des Bei­spiel: Ein Mit­ar­bei­ter der Per­so­nal­ab­tei­lung muss immer wie­der die glei­chen Fra­gen beant­wor­ten und kommt gar nicht zur eigent­li­chen HR-Abtei­lung. Unter­neh­men, wel­che ein ver­nünf­ti­ges „Video-Wiki­pe­dia“ auf­ge­baut haben und ihre Mit­ar­bei­ter bei­spiels­wei­se durch span­nen­de und sinn­vol­le Vide­os onboar­den, spa­ren unglaub­lich vie­le Res­sour­cen auf allen Ebe­nen. So kön­nen sich die Mit­ar­bei­ter auf ihre eigent­li­che Auf­ga­be kon­zen­trie­ren. 

Video ist nicht tot – Video kommt gera­de erst! 

  

Gute Videos – welche Technik brauche ich? 

Kirs­ten und ich nut­zen „eCamm Live“ als Video-Tool für Mac. Kirs­ten brennt gera­de­zu für die­ses Pro­gramm und sie sagt, es hat den Erstel­lungs­pro­zess von Vide­os um 80% ver­rin­gert. 

Frü­her brauch­te sie für ein 5‑minütiges Video einen gan­zen Tag. Dann such­te Kirs­ten nach Lösun­gen und kam über ver­schie­de­ne, wenig geeig­ne­te Zwi­schen­sta­tio­nen (wie z.B. OBS) end­lich zu „eCamm Live“ (das ist übri­gens kei­ne bezahl­te Wer­bung!). Das Pro­gramm bedient sich der „Apple Men­ta­li­tät“ und ist sehr intui­tiv und ein­fach. Mitt­ler­wei­le macht Kirs­ten ihre gesam­te Video-Pro­duk­ti­on damit. 

Für ein­fa­che­re Tuto­ri­als fällt nun eigent­lich nur noch die Auf­nah­me an und dann ist es qua­si schon fer­tig. Auch ich selbst nut­ze eCamm für alles, sogar für Online-Work­shops. Ja, auch Webi­na­re und Online-Events über Zoom kön­nen mit die­sem Pro­gramm gestal­tet wer­den! 

In Kirs­tens Mas­ter­class zeigt sie alle Tricks und Knif­fe von eCam. Da wer­de ich auch ganz sicher teil­neh­men, da ich bis­her nur die Spit­ze des Eis­bergs ken­ne! Alle Infos über die Mas­ter­class fin­dest Du hier: https://www.coole-videos.com/ 

Kirs­ten ist natür­lich auch bei You­Tube und Face­book unter­wegs. Doch sie hat sogar auch außer­halb von Face­book eine eige­ne Creator-Com­mu­ni­ty auf­ge­baut, um unab­hän­gig zu sein. Schau auf Kirs­tens Web­sei­te, da fin­dest Du alle Infos dazu!

 

Was sind die Unterschiede zwischen Videos und Live-Streaming? 

Kirs­ten sagt ganz klar: Die Qua­li­tät der Vide­os! In einem vor­pro­du­zier­ten Video kannst Du Dich gezielt posi­tio­nie­ren, Fil­ter ein­bau­en und schnei­den. Doch Ach­tung, das kann schnell bil­lig und „Bar­bie-mäßig“ aus­se­hen. Wenn Du da nicht Dei­nen eige­nen Stil gefun­den hast und die Nach­be­ar­bei­tung nicht gut beherrschst, soll­test Du hier nicht über­trei­ben. 

Live-Strea­ming ist laut Kirs­ten die Königs­dis­zi­plin. Hier musst Du den Con­tent im Blick haben, fokus­siert blei­ben, Den­ken und Spre­chen gleich­zei­tig und mit der Stim­me arbei­ten kön­nen. Kirs­ten hat bei Live-Streams immer Kopf­hö­rer im Ohr, um auf kei­nen Fall eine Rück­kopp­lung zu haben. Du bist Ton- und Licht­tech­ni­ker in einem und wirst nach eini­ger Zeit sicher­lich zum Tech­nik-Meis­ter – auch wenn es anfangs sehr anstren­gend ist! 

  

Herausforderungen mit der Technik 

Sei nicht zu frus­triert, wenn es anfangs nicht gleich so leicht geht. Es wird bes­ser und Du wirst eine stei­le Lern­kur­ve haben! Auch Kirs­ten und ich sind da nicht vor Her­aus­for­de­run­gen sicher. Wie hat­ten ein gemein­sa­mes Live und es trat ein Ton-Pro­blem mit mei­nen Kopf­hö­rern auf. Kirs­tens Devi­se ist: Wenn was zu ver­ste­hen ist, dann igno­rie­ren und Augen zu und durch! Sou­ve­rän blei­ben und wei­ter­ma­chen. Außer­dem ver­such­ten wir auf meh­re­ren Platt­for­men zu strea­men und dann wur­de das Video auf Lin­kedIn nicht aus­ge­spielt. Kirs­ten fand den Feh­ler erst nach meh­re­ren Tagen Recher­che. 

Wir ler­nen alle nicht aus und mit jeder Her­aus­for­de­rung wirst Du fit­ter. Hier lohnt sich dran­blei­ben, denn wenn Du was eine Wei­le dann nicht mehr gemacht hast, ver­gisst Du man­ches wie­der. Kirs­tens Tipps hier­zu sind: Üben, üben, üben! Und eine gute Vor­be­rei­tung. Prü­fe vor­ab die Tech­nik ganz genau, damit Du mög­lichst viel aus­schal­ten kannst. 

Beim Live-Stream selbst schaut Kirs­ten dann aus­schließ­lich in die Kame­ra und nicht auf ihren Bild­schirm. So kann sie sich voll und ganz auf ihre Zuschau­er kon­zen­trie­ren, ohne abge­lenkt zu wer­den. Kom­men­ta­re wer­den ihr per akus­ti­schem Signal ange­kün­digt, wor­auf­hin sie dann die­se gezielt anschaut. Kei­ne Panik, Kirs­ten ver­gleicht es mit einer Fremd­spra­che, die Du lernst und dann immer bes­ser sprichst, je mehr Du sie nutzt. 

  

Was sagt Kirsten eigentlich zu den Instagram Reels? 

Vie­le Men­schen nut­zen Reels mit dem Ziel, mehr Reich­wei­te zu gene­rie­ren. Sie machen ein lus­ti­ges Video zu einer Ton­spur von Horst Schlem­mer oder popu­lä­rer Musik (was übri­gens laut GEMA legal ist!) und wer­den damit oft auf­ge­ru­fen. Was jedoch noch lan­ge nicht heißt, dass die rich­ti­gen Leu­te der eige­nen Ziel­grup­pe die­ses Reel auf­ru­fen und mich dann mit mei­nem Pro­dukt oder mei­ner Dienst­leis­tung in Ver­bin­dung brin­gen. 

Wenn ich möch­te, dass die rich­ti­ge Ziel­grup­pe zu mir kommt, muss der Inhalt des Reels pas­sen. Kirs­ten fährt die Stra­te­gie: „Eine Fra­ge – eine Ant­wort“. Nur Reich­wei­te ist nicht genug, auch hin­ter den Reels soll­te eine Stra­te­gie ste­hen. Was nicht heißt, dass es lang­wei­lig sein muss! Ein Reel soll­te ein „Appe­ti­zer“ sein, um den Kun­den anzu­re­gen, mit Dir arbei­ten zu wol­len. 

Und auch die Reels kannst Du in eCamm an Dei­nem Com­pu­ter im Hoch­for­mat-Video auf­neh­men. Kirs­ten nutzt dafür aber die kos­ten­freie App „Clips“ (auch für Android ver­füg­bar), da die­se Vide­os direkt mit Unter­ti­tel und Fil­ter erstellt wer­den kön­nen. Das ist also bei­des mög­lich. 

  

Was war Kirstens größte Herausforderung bisher? 

In einem Live-Stream mit der ame­ri­ka­ni­schen Che­fin von eCamm woll­te die­se plötz­lich und unab­ge­spro­chen einen Kol­le­gen dazu­ho­len. Es war aus­ge­rech­net ein You­Tuber, den Kirs­ten sehr ver­ehrt. Sie ist ein regel­rech­ter Fan, muss­te aber ihre eige­nen Emo­tio­nen in die­sem Moment sehr zurück­hal­ten. Das war für sie, zusam­men mit der Tat­sa­che, dass alles auf Eng­lisch statt­fand, eine ech­te Her­aus­for­de­rung. 

Bei einem Off­line Event hat­te Kirs­ten hin­ge­gen eine Situa­ti­on, wel­che sie wirk­lich nie wie­der erle­ben möch­te. Für ein IT-Unter­neh­men soll­te eine neue Zeit­er­fas­sungs­soft­ware ein­ge­führt wer­den. Als Schnitt­stel­le zwi­schen Per­so­nal­ab­tei­lung, Geschäfts­füh­rung und Pro­gram­mie­rern muss­te Kirs­ten ver­mit­teln. 

Bei einem Event soll­te über die­se neue Soft­ware ein Vor­trag gehal­ten wer­den. 5 Minu­ten vor­her kam der Geschäfts­füh­rung zu Kirs­ten und teil­te ihr mit, dass sie den Vor­trag hält. Ein Alp­traum für Kirs­ten, denn im Publi­kum saßen nur Pro­gram­mie­rer und sie selbst hat­te die Soft­ware zwar ver­stan­den, aber nicht kom­plett durch­drun­gen. Sie konn­te das Publi­kum zwar für die 30 Minu­ten begeis­tern, in dem sie über die Anwen­dungs­fel­der und die Aus­wir­kung auf den Nut­zer sprach. Doch sie möch­te so etwas nicht noch ein­mal erle­ben! 

  

Was war Kirstens schönster Moment? 

Kirs­ten war bei San­dra Staub live und erfuhr in der Vor­be­rei­tung, dass Andrea Ball­schuh auch dabei sein wür­de. Die ers­ten 10 Minu­ten brach­te Kirs­ten kei­nen Ton her­aus, da sie Andrea so bewun­der­te. Dar­aus ent­stand eine tol­le Ver­bin­dung. Kirs­ten und Andrea sind seit­dem nicht nur Kol­le­gin­nen, son­dern auch wirk­lich Freun­din­nen gewor­den. 

„In Echt“ hat sei­nen eige­nen Zau­ber, doch durch Online-Begeg­nun­gen ent­ste­hen tol­le Din­ge und die Bar­rie­re Online-Off­line ist klei­ner, als wir den­ken. Denn Ener­gie ist lau­ter als jedes Wort. Wenn wir mit der rich­ti­gen Ener­gie im Busi­ness und Video unter­wegs sind, zie­hen wir damit die Men­schen an, wel­che mit uns in Reso­nanz gehen! 

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