Warum ein Vortrag eine Inszenierung ist! (Podcastfolge 113)

Warum ein Vortrag eine Inszenierung ist!  

Hast Du Dich schon mal gefragt, ob ein Vor­trag oder eine Prä­sen­ta­ti­on eigent­lich auch eine Insze­nie­rung ist? Das Wort klingt erst mal sehr groß, nach Thea­ter­stück oder Events. Lass mich Dir sagen: Auch eine Prä­sen­ta­ti­on kannst Du insze­nie­ren! Was Du dabei beach­ten soll­test und was Du lie­ber lässt, erklä­re ich Dir hier. 
 

Ist ein Vor­trag wirk­lich auch eine Insze­nie­rung? 

Ich bin als Spea­ke­rin und Coach in der Vor­trags-Welt unter­wegs. Dabei beschäf­tigt mich immer wie­der, inwie­fern ein Vor­trag über­haupt insze­niert sein soll­te. Auf die Idee, dass eine Prä­sen­ta­ti­on durch­aus auch eine Insze­nie­rung sein kann, kom­men vie­le so erst mal gar nicht.  

In mei­nem Pod­cast-Inter­view mit Frank Asmus (Fol­ge 110)spra­chen wir über Ele­men­te aus der klas­si­schen Dra­ma­tur­gie, wel­che auch in Vor­trä­gen ein­ge­setzt wer­den. Ich möch­te mich beim The­ma Insze­nie­rung hier spe­zi­el­ler mit dem Ein­stieg und dem Ende einer Prä­sen­ta­ti­on befas­sen.  

Wenn ich mei­ne Büh­nen­stü­cke schrei­be, ver­su­che ich, wie­der­keh­ren­de Ele­men­te ein­zu­bau­en oder eine Klam­mer vom Anfang zum Ende zu span­nen. Bei “Plötz­lich Mama” und “Typisch Frau” sin­ge ich zu Beginn einen Song, wel­cher dann am Ende noch­mal auf­taucht. Bei All­tags­wahn­sinn taucht mehr­fach im Stück ein Claim auf, der immer wie­der­kehrt. Die­se bei­den Ele­men­te sind Tei­le einer Insze­nie­rung.  

Auch bei der Arbeit an einem Vor­trag schaue ich zunächst nach Fak­to­ren wie “Kern­bot­schaft” und “Ziel­pu­bli­kum”. Dar­aus schrei­be ich ein Grund­ge­rüst der Geschich­te, wel­ches die Basis bil­det. Auf die­se Basis set­ze ich die Insze­nie­rung auf. Auch ein Regis­seur schaut sich zunächst das Dreh­buch an und über­legt sich dann die Insze­nie­rung.  

Hast Du schon ein­mal “Som­mer­nachts­traum” gese­hen? In jedem Thea­ter wird dies anders insze­niert und es gibt vie­le ver­schie­de­ne Mög­lich­kei­ten, die­se Geschich­te dar­zu­stel­len. Viel­leicht ist die Insze­nie­rung modern und im Stück wer­den dann Han­dys genutzt. Oder der Regis­seur ent­schei­det sich für eine rocki­ge Vari­an­te und die Schau­spie­ler tra­gen Leder­klei­dung.  

Genau­so mache ich das mit Büh­nen­pro­gram­men. Wenn mir beim Schrei­ben schon Ideen für die Insze­nie­rung kom­men, schrei­be ich die­se mit auf. Doch im Über­ar­bei­tungs- und Pro­ben­pro­zess kann sich das noch­mal ver­än­dern.  

 

Wie die Insze­nie­rung eines Vor­trags funk­tio­niert 

Mein Vor­ge­hen kannst Du auch für Vor­trä­ge oder Unter­neh­mens­prä­sen­ta­tio­nen über­neh­men! Zunächst machst Du Dir Gedan­ken über die Inhal­te und dar­über, was Du trans­por­tie­ren möch­test. Viel­leicht fal­len Dir dann schon klei­ne Gim­micks und Requi­si­ten ein, die Du an der ein oder ande­ren Stel­le nut­zen kannst. Ein klei­nes Give-away kann ich nur emp­feh­len.  

Danach über­legst Du, wie Du das Gan­ze insze­nierst. Dazu gehört auch ganz klar die Gestal­tung des Anfangs und des Endes. Denn: You never get a second chan­ce for the first impres­si­on! Wenn der Anfang die Leu­te nicht direkt erreicht, kann es sein, dass du sie bereits ver­lierst. Die mensch­li­che Auf­merk­sam­keits­span­ne ist lei­der im Lau­fe der Zeit immer gerin­ger gewor­den. Du musst sie also direkt am Anfang mit­neh­men.  

Bei “All­tags­wahn­sinn” sin­ge ich zu Beginn mit Kla­vier­be­glei­tung, ohne sicht­bar zu sein und dann folgt ein lau­ter Schrei. Da sind die Leu­te dann direkt wach. Ob sie es gut fin­den, ist da noch nicht gesagt. Aber sie sind auf­merk­sam.  

Mein Stück “Typisch Frau” hat als Ele­ment eine Klam­mer, die den Anfang mit dem Ende ver­bin­det. “All­tags­wahn­sinn” hat die­se Klam­mer nicht. Wenn der Büh­nen­tech­ni­ker am Ende das Büh­nen­licht nicht aus­schal­tet, fällt es den Zuschau­ern schwer, dies als Ende zu erken­nen. Ein kla­rer Abschluss ist also sehr wich­tig!  

Schau in Dei­nem Vor­trag, was Dein The­ma ist und schrei­be den Vor­trag auf oder über­le­ge Dir Dei­ne Foli­en, die Du nut­zen willst. Dann schau Dir an, wel­che Geschich­ten Du erzäh­len kannst. Wie kannst Du Zah­len, Daten, Fak­ten mit Sto­ry­tel­ling abrun­den? Musst Du die­se Zah­len, Daten, Fak­ten über­haupt im Detail vor­tra­gen oder reicht dazu ein Handout? Oft reicht es, die Zah­len kurz anzu­teasern und dazu eine Geschich­te zu erzäh­len, sodass sie in Erin­ne­rung blei­ben.  

Im Anschluss über­legst Du Dir die pas­sen­de Insze­nie­rung. Wel­che Gim­micks und Gags kannst Du ein­set­zen? Ist die­ses The­ma über­haupt geeig­net, um Gags ein­zu­bau­en? Nicht jeder Vor­trag braucht Humor, um auf­ge­lo­ckert zu wer­den. Schau, ob Du wie­der­keh­ren­de Ele­men­te inte­grie­ren kannst. Und ach­te dar­auf, dass Anfang und Ende zuein­an­der pas­sen.  

Oft genutzt wird bei­spiels­wei­se das Bild des “Puz­zles” und Inhalt des Vor­trags ist “das feh­len­de Puz­zle­stück”. Ich nut­ze die­ses Bild nicht so gern, weil es mei­ner Mei­nung nach zu häu­fig vor­kommt. Doch als Bei­spiel eig­net es sich gut. Zum Vor­trag könn­test Du hier also ein rich­ti­ges Puz­zle mit auf die Büh­ne neh­men und Dein Sto­ry­tel­ling rund ums The­ma Puz­zle auf­bau­en.  

Der Ein­stieg hier könn­te sein, dass Du ein Puz­zle zeigst und erklärst, dass es nun voll­stän­dig ist, da das neue Pro­dukt das bis­her feh­len­de Puz­zle­stück ist. Dann kannst Du die ein­zel­nen Steps mit ver­schie­de­nen Teil­chen insze­nie­ren. Das bleibt den Zuhö­rern im Gedächt­nis.  

Das erfor­dert natür­lich ein gewis­ses Selbst­be­wusst­sein. Doch das brauchst Du für einen Vor­trag auf jeden Fall! Hör Dir zu die­sem The­ma gern mei­ne Pod­cast­fol­gen zum The­ma Wir­kungs­fi­gur an.  

Hast Du Fra­gen zu die­sem The­ma oder möch­test Unter­stüt­zung? Dann mel­de Dich gern bei mir. Denn ein Vor­trag oder eine Prä­sen­ta­ti­on soll­te gut insze­niert wer­den. Natür­lich musst Du nicht jedes Online-Mee­ting insze­nie­ren! Aber bei einer Kun­den- oder Pro­dukt­prä­sen­ta­ti­on soll­test Du Dir auf jeden Fall die Zeit neh­men, eine Art der Insze­nie­rung aus­zu­ar­bei­ten. Es bedarf Arbeit, Vor­be­rei­tung und Übung, doch es lohnt sich! 
 

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